Fachartikel

Rückblick TFF17 (Fachartikel Bi Magazine)

Chefredakteur Wolf K. Müller-Scholz war zu Gast bei unserem Thinking Forward Forum und berichtet über die Key Note von Holger Schmidt.

Horizontverschiebungen.

Die Automatisierung hat viele Gesichter: Sie vernichtet Arbeitsplätze in Produktion und Logistik, schafft aber auch neue, etwa bei Medien oder im Sozialwesen. Deutschland und Südkorea sind die Gewinner.

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft läuft auf Hochtouren. Doch welche Rolle spielt dabei der Mensch? Das Thinking Forward Forum, eine Konferenz der Thinking Networks AG für Planungsverantwortliche, suchte darauf Antworten in Form von Fachvorträgen und Diskussionen: Wie zum Beispiel verändert sich die Planung für Controller? Warum ist Blockchain so interessant? Worin besteht der Vorteil eines Continuous Forecasts?

Den Bezugsrahmen setzte Dr. Holger Schmidt, Dozent für Digitale Transformation an der TU Darmstadt: Die digitale Transformation werde besonders durch das Internet der Dinge/Industrie 4.0, Drohnen, 3D-Druck und Künstliche Intelligenz (KI) getrieben. Betroffen seien Autobauer und Produktionsbetriebe, aber auch Logistik und Pharma. «Lange Lunte, lauter Knall», charakterisierte der Experte die Situation in diesen Branchen.

Den weitaus größten Einfluss hat die Automatisierung, so Schmidt, in den kommenden zehn bis 20 Jahren, auf vorhersehbare physische Tätigkeiten wie etwa bestimmte Handgriffe in der Produktion oder die Auslieferung in der Logistik. Dadurch werden laut Prognosen bis 2035 vor allem Arbeitskräfte im Metall- und Anlagenbau, bei der Maschinen- und Anlagensteuerung, aber auch viele Bürokräfte ihren Arbeitsplatz verlieren. Ein sehr hohes Risiko dafür besteht, gemäß OECD-Daten, in Deutschland, Österreich und Spanien.

Andererseits entstehen bis 2035 in Bereichen, in denen sich die Automatisierung weniger auswirkt, neue Arbeitsplätze: am meisten – so die Prognosen des IAB-Forschungsinstituts – bei Medien-, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie im Sozialwesen. Mehr Jobs werden aber auch IT, Naturwissenschaften und Lehre bieten.

Durch die Robotisierung werden bis 2025 laut BCG-Berechnungen vor allem Südkorea und Deutschland ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Mit einigem Abstand folgen Kanada, Japan und China, weit vor Großbritannien und den USA. Für Frankreich und Italien, aber auch die Schweiz sieht die Prognose negativ aus. Einen besonders harten Rückgang ihrer Wettbewerbsfähigkeit werden die aufgrund ihrer billigen Arbeitskräfte bislang starken Emerging Countries wie Indien und Indonesien sowie Nearshoring-Länder wie Polen und Russland erleiden.

Wie sich die Automatisierung bereits auswirkt, zeigte Schmidt an Beispielen:

  • Adidas lässt Sportschuhe wieder in Deutschland herstellen – von Robotern und 3D-Druckern. Die Produktion eines Schuhs dauert nur fünf Stunden statt drei Monate (inklusive Transport)
    – zu 60 Prozent der Kosten;
  • in Australien errichtet ein Roboter Häuser in zwei Tagen, für die sonst sechs Wochen gebraucht werden;
  • die US-Hörgeräteindustrie stieg in weniger als 500 Tagen hundertprozentig auf den 3D-Druck um. «Nicht ein einziger Hersteller, der bei dem alten Herstellungsverfahren geblieben ist, hat überlebt», sagte Schmidt.

Mehr zur Veranstaltung und dem Programm 2017 finden Sie auf der Event-Seite www.thinking-forward-forum.de.

Impressionen mit Fotos finden Sie auf unserer Review-Seite.

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Autor

Christoph Magoley

Kontakt

Christoph Magoley leitet die Unternehmenskommunikation bei der Thinking Networks AG und ist der Ansprechpartner für alle Themen rund um Presse, Marketing und Fachstudien.